Aktuelles aus der Bezirksklinik Rehau
RUNDGANG ÜBER DIE PHILOSOPHENWEGE
Die Stadt Rehau lud im Rahmen der Stadtspaziergänge zu einem Rundgang über die Rehauer Philosophenwege vom Fichtig in Richtung Dürrenlohe und die Bezirksklinik ein.
Diese drei Wege mit insgesamt neun Infotafeln sind ein Projekt des Vereins Aufwind e.V. – Hilfen für Psychiatrie-Erfahrene, welches von der Bezirksklinik Rehau betreut wird.
Im Rahmen des Rundgangs konnte der ärztliche Leiter der Bezirksklinik Dr. med. Lothar Franz neben Reiner Hager als dem 1. Vorsitzenden des Vereins Aufwind e.V. und weiteren Mitgliedern des Vereins auch rund zwei Dutzend Interessierte Bürger aus der Stadt Rehau bei dem Rundgang begrüßen.
Der Weg begann bei dem Schild an der Bourgoin-Jallieu-Brücke mit einem Satz von Papst Benedikt XVI: „Zu einer besseren Welt trägt man nur bei, indem man selbst jetzt das Gute tut.“ Franz führte hierzu seine Gedanken zur christlichen Nächstenliebe aus, die sowohl die Hilfsbereitschaft des Einzelnen als auch die organisierte Form der Nächstenliebe betreffe.
Beim Gedenkstein für die 64 umgekommenen russischen Kriegsgefangenen kam er über die unglückselige Vergangenheit der Psychiatrie im Dritten Reich, bei der Menschen im Rahmen von Euthanasieprogrammen umgebracht wurden, zur Frage nach der „Schuld“, wobei er Gedanken des Philosophen und Psychiaters Karl Theodor Jaspers erläuterte.
Zentrales Thema all seiner Ausführungen an den Infoschildern war die Bewertung der philosophischen Aussagen auf die Situation des Einzelnen.
Sein Lieblingsspruch: „Jeder Mensch ist eine Sensation“ wurde genauso erläutert wie Auszüge aus Schillers Wallenstein-Triologie. Zu: „So hoch gestellt ist keiner auf der Erde, dass ich mich selbst neben ihm verachte“ führte Franz aus, dass jeder Mensch das Recht auf Selbstbewusstsein habe, um mit Mut und Zuversicht gegenüber anderen aufzutreten.
Jeder Mensch sei ein unverwechselbares Exemplar mit all seinen Macken und Besonderheiten. Gerade bei Menschen, die in ihrem beruflichen Umfeld gemobbt würden, sei Selbstbewusstsein oft nicht mehr ausreichend vorhanden. Hier käme der Ansatz der Psychiatrie zum Tragen, um Körper und Seele wieder zu verbinden. Dies könne unter anderem durch ergotherapeutische Behandlung genauso erfolgen wie durch ärztliche und psychologische Gespräche.
Mit Zitaten von Voltaire wie „Lasst uns arbeiten, ohne zu grübeln. Das ist das einzige Mittel, das Leben erträglicher zu machen“ und „Ich habe mich entschlossen, glücklich zu sein, weil es gut für die Gesundheit ist“ wurde das Thema der heutigen Arbeitssituation weiter beleuchtet.
Vor dem gemütlichen Ausklang des Spaziergangs in der Gaststätte Dürrenlohe erläuterte Dr. Lothar Franz anhand eines Gedichts von Prof. Eugen Gomringer seine besondere Beziehung zu diesem und seinen Werken, die ihn faszinieren würden. Das Gedicht ist in unmittelbarer Nähe der Gastwirtschaft zu lesen. Es alteriert die Aussage: „was wahr war wird werden“ und trägt damit zum philosophieren über den Wahrheitsbegriff in außerordentlich eindrucksvoller Weise bei.