Informationen zu Amphetaminartigen Substanzen

wie Speed und Crystalspeed

 
 
 

Geschichte der Amphetamine und der Amphetaminartigen Substanzen


Amphetamin ist ein Akronym für Alpha-Methylphenethylamin Es wurde 1887 erstmalig aus Ephedrin in den USA synthetisiert, 1893 Metamphetamin in Japan. Verschiedene in der „Clubszene“ heutzutage als „neue“ Designerdrogen (Mephedron/Butylon etc.) bekannte Substanzen stammen aus den ersten Szene-Versuchen mit derartigen Substanzen aus den 60er Jahren!

In ihrer Geschichte fanden Amphetamine eine breite Anwendung in verschiedenen Bereichen. In der Medizin wurden sie als Atemwegstherapeutikum eingesetzt, gegen die Narkolepsie, als Appetitzügler oder auch im Finalstadium von Krebs zur Reduzierung des Schmerzes und emotionalen Stresses. In der Armee wurden und werden sie gerne im Krieg in der Luftwaffe zur Reduzierung des Appetits und Schlafbedürfnisses eingesetzt (Wikipedia: Amphetamin und Methamphetamin). Auch in der jüngsten Diskussion um Braindoping tauchen sie wieder auf.

Das Problem ist also nicht neu: Bereits 1937 wurde erstmals über Missbrauch in einer Fachzeitschrift berichtet. Auch die erste Amphetaminpsychose wurde schon 1938 beschrieben. Die erste große Abhängigkeitswelle war in Japan nach dem 2. Weltkrieg beschrieben worden. Heutzutage sind in Deutschlandd die Hälfte aller „erstauffälligen“ Konsumenten (Polizeistatistik) mit Amphetaminen in Polizeikontakt gekommen.
 
Die gegenwärtig missbräuchlich eingenommenen Amphetaminabkömmlinge gehören insofern zu den sogenannten Designerdrogen dass sie eine chemische „bunte“ Gruppe darstellen. Je nach Substituent („angehängtes“ Verbindungs-Atom) am Ausgangsmolekül unterscheiden sich die Hauptangriffspunkt bei den Rezeptoren (Serotonerg/Dopaminerg) indem sie eher stimulierend wach haltend oder halluzinogen bzw. entaktogen (Förderung der emotionalen Wahrnehmungsfähigkeit) wirken.

Das Bedürfnis nach „Designerdrogen“ in der Szene basiert häufig auf den Wunsch nach dem Ersatz für andere „klassische“ Substanzen, welche aber dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt sind  und der Strafverfolgung unterliegen. Wegen einer minimalen Abänderung der chemischen Struktur werden einige Substanzen in verschiedenen EU-Ländern (zunächst noch) nicht vom strengen Betäubungsmittelgesetz erfasst. Verschiedenste Internetforen (z.B.„Eve and Rave“) die in den 90er Jahren in der Technoszene entstanden sind, sind zu Informationspools verkommen was man wo wie herkommt mit dem Wunsch die XTC-Wirkung (noch) legal erleben zu können. Beiträge zu den negativen Konsequenzen nehmen meist nur noch einen kleinen Anteil ein. Die Kritik, dass dieses einseitige Beschäftigung „mit der Beschaffung der Substanz“ ja mindestens ein Zeichen der psychischen Abhängigkeit darstellt, wird aus dieser Szene auffällig vehement verneint.

Die jüngsten Entwicklungen mit dem Zusatz chemischer Drogen auf angebliche Naturmittel (Spice und Smoke mit dem synthetischen THC JHC19 und dem Thailändischen Wundermittel Kratom mit einem Opioid Tramaadol) wird auch bei den Stimulantien erwartet. Ephedrakraut genießt da „noch“ eine Renaissance. Unser stationäres Behandlungsangebot richtet sich nicht an gelegentliche User von Ephedra-Tees, Schlankheitspillen Methylphenidat missbraucher etc. sondern an von Stimulantien abhängige Konsumenten.
 
 

Einteilung


Die große Gruppe der Amphetaminderivate kann aus therapeutischer Sicht aufgrund ihrer drei Hauptwirkspektren unterteilt werden, je nachdem ob mehr die weckaminen (wachmachenden), halluzinogene oder entaktogene Wirkungen im Vordergrund stehen. Denn in der Therapie müssen wir uns auch mit den Wünschen und Sehnsüchten beschäftigen die diese Drogen bisher befriedigt haben und die nach der Therapie ja weiter bestehen.

Im juristischen Sprachgebrauch werden die Substanzen zusammen als Amphetamine bezeichnet. Die Wahl der Begriffe ist in der Literatur nicht einheitlich gefasst, so dass immer darauf geachtet werden sollte, welche Terminologie der entsprechende Autor nutzt. Im Therapiezentrum Hochstadt benutzen wir den Oberbegriff der stimulierend wirkenden ATS (Amphetamin-Type-Substances).
 
Stimulantien (Weckamine) sind vor allem d-amphetamin (Speed, Rosenspeed, Bikerspeed) und Methamphetamin (Crystalspeed). Die am stärksten abhängig machende und neurotoxischste Substanz ist das Methamphetamin (Metamfetamin). Geläufige Szenenamen: Crystal, Crystalspeed, Meth, Ice, Crank, Mad, Tina, Hitlerspeed. Dieses macht langfristig wach, subjektiv leistungsfähig, erhöht das Selbstwertgefühl (reduzieren Schüchternheit), reduziert Hunger und Durst und führen zu positiven sexuellen Erlebnissen.

Obgleich chemisch sehr unterschiedlich ist Kokain als starkes Weckamin in der ähnlichen Anwendung als „Ego-Droge“ hier einzusortieren und die Behandlung kann in gemeinsamen Therapiegruppen sehr gut stattfinden.
 
Die Klasse der sogenannten Entaktogene wurde in ihrer Bezeichnung durch Nichols geprägt, einem amerikanischen Professor für Medizinische Chemie und Pharmakologie. Er wollte hiermit die „emotionale Stütze“ der Droge, „die den Zugang zu den inneren Gefühlen, zu den unterdrückten und verdrängten Erfahrungen ermöglicht“, zum Ausdruck bringen. Einzug in klassifikatorische Systeme (ICD10/DSM IV) hat diese Unterteilung nicht gefunden. Hierzu gehören MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin, Szenename: Ecstasy), MDE (Methylendioxyethylamphetamin, Szenename: Eve) und andere ringsubstituierte Metamphetaminderivate, die meistens als feste Stoffe in Tablettenform genommen werden. Entaktogene Wirkung meint im wesentlichen, dass eine „innere Berührung“ stattfindet. Der Konsument bekommt das Gefühl, dass die Welt „in Ordnung sei“, er keiner Bestätigung, Anerkennung oder Beurteilung anderer mehr bedürfe.

Am 01.08.1986 wurde MDMA in Deutschland als ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel gelistet, die Substanz konnte damit nicht mehr verschrieben oder eingenommen werden. Seitdem hat der Konsum deutlich abgenommen. Die meisten der heutigen XTC-user konsumieren auch Weckamine (speed etc) und werden erst dann therapiebedürftig. In dieser Szene ist abhängiger THC-Konsum häufig ein Behandlungsanlass.
 
Die Halluzinogene unter den Amphetaminderivaten sind den Entaktogenen chemisch verwandt und in der Wirkung vom Typ des Meskalins ähnlich. Unter der Einnahme kommt es zu Fehlwahrnehmungen, d.h. dem über das Traumerleben hinausgehende Hören, Spüren und Sehen von Dingen die nicht da sind. Auch hier ist eine ausschließliche Abhängigkeit selten sondern der abhängige THC-Konsum häufig ein Behandlungsanlass im Rahmen eines polyvalenten oder polytoxikomanen Konsummusters.
 
 

Wirkungsmechanismen

 
Halluzinogene, Entaktogene und Weckamine vom Amphetamintyp haben ihren Wirkungsschwerpunkt an den aminergen Synapsen im Zentralen Nervensystem, wobei sie hier auf verschiedene Weise in den Steuermechanismus eingreifen:
 
  • Erleichterung der Freisetzung von Transmittern aus der präsynaptischen Membran
  • Hemmung des Reuptake des ausgeschütteten Transmitters
  • Verzögerung des Abbaus des ausgeschütteten Transmitters
 

Substanzklasse 

Substanzklasse 

Halluzinogene 
Eher direkt serotonerg
Entaktogene Eher indirekt serotonerg > indirekt dopaminerg > indirekt noradrenerg
Amphetamine indirekt und direkt dopaminerg und noradrenerg > serotonerg
 Abb.: Wirkmechanismen der einzelnen Substanzklassen (Gouzoulis-Mayfrank 1999)
 
Nach regelmäßigem Amphetaminkonsum kann es zu verschiedenen neuroadaptiven Prozessen kommen die zu Entzugs- und Toleranzsymptomen führen.
 
 

Formen der Applikation

 
Das kristalline, zerstoßene pulverförmige Rauschmittel wird meistens durch ein dünnes Röhrchen durch die Nase gesnieft. Die Droge wird auch in Tablettenform angeboten und auch aufgelöst in Wasser intravenös gespritzt. Die Anflutungszeit liegt je nach Zufuhrweg von wenigen Sekunden (gerauchtes Meth- Ice, intravenös) bis zu 90 Minuten (Amphetamintabletten).
 
Die Wirkungsdauer der Amphetamine und ihrer Derivate ist um ein vielfaches länger (4 bis 48 Stunden) als die des Kokains (30 min bis 2 Stunden), was es zu einer preiswerten Alternative macht. Die Nachweisbarkeit dieser Stoffe nach Konsum ist zeitlich begrenzt und variiert von der Ausgangssubstanz. Im Urin sind Abbauprodukte über etwa ein bis maximal 5 Tage, im Blut die Grundsubstanz nur einige Stunden nachweisbar. Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren, eine Ansäuerung des Urins beschleunigt dies. Amphetamine unterliegen einer starken Toleranzentwicklung durch Regulationsmechanismen an den Rezeptoren des dopaminergen Systems. Es wird rasch mehr benötigt um die gleiche Wirkung zu erreichen. Dies ist ein typisches Zeichen für körperliche Abhängigkeit.
 
 

Abhängigkeitsentwicklung

 
Amphetamine können oral genommen, geschnupft oder intravenös gespritzt werden. Sie werden anfangs alle 3-4 Tage und im Verlauf entweder in mehrfach täglichen Dosen oder in Exzessen („binges“, „speed-run“) appliziert. Der Anteil der intravenös konsumierenden Personen liegt in verschiedenen Studien zwischen 50% und 79 % der Amphetaminabhängigen, wobei weitaus weniger mit einem intravenösem Konsum einsteigen. Das heißt bei etwa einem Drittel der Personen, die Amphetamin nicht gleich zu Beginn injizieren, kommt es im Verlauf zu einem Wechsel zu dieser Applikationsform. In einer Studie  in Australien wurde als Grund für diesen switch hauptsächlich der „rush“ bei intravenösem Konsum angegeben. Desweiteren werden ökonomischere, gesündere oder auch hygienischere Art der Einnahme angegeben. Nach dem Wechsel wurde eine Erhöhung der Drogenmenge sowie des Drogenspektrums beobachtet. Ein Achtel der intravenös applizierenden TeilnehmerInnen wollte allerdings gerne wieder zu anderen Konsumformen übergehen. Gründe hierfür waren Angst vor Verletzungen der Gefäße, Infektion mit HIV und stärkerem Suchtempfinden. Der Anteil der Meth (ICE) rauchenden Konsumenten ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Dieser geht ebenfalls mit einer raschen Verwahrlosung der Entwicklung von Psychosen einher.

Die Subgruppe der sich amphetamine spritzenden Personen wird als älter, mit jüngerem Einstiegsalter, geringerem Bildungsstand, höherer Konsumfrequenz und breiterem Drogenspektrum (eher polytoxikoman) beschrieben. Sie zeigen ein gesundheitsschädlicheres Verhalten (needle-sharing, risikoreicheres Sexualverhalten) und leiden öfter unter psychischen und gesundheitlichen Problemen sowie einer stärkeren Abhängigkeit.  Es fanden sich in Californien bei i.v. konsumierenden Meth-usern auch höhere Raten der Durchseuchung mit HIV als bei i.v. konsumierenden Opiatabhängigen.
 
Ein Wechsel vom intravenösen Konsum weg zum klassischen „nasalen Lines legen“ kann wieder zu einer Reduzierung der unerwünschten psychischen und somatischen Begleiterscheinungen führen. Dies sind schadensminimiernde Ziele der niedrigschwelligen Suchtarbeit, z.B. der Entzugsstation S3 am BKH Bayreuth.
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Wirkung von Methamphetamin und  Amphetamin

 
Jeder Mensch erlebt eine ganz individuelle Wirkung in ganz unterschiedlicher Ausprägung. Es müssen nicht alle Wirkungen bei jedem einzelnen vorkommen und das Ausmaß der erlebten Wirkungen wiederum ist für jeden Menschen anders spürbar. Hier wirken sich unterschiedliche Erwartungshaltungen, Konsumsituation, Dosishöhe und Konsumhäufigkeit aus. Bei Dauerkonsum ist die initial erlebte Wirkung deutlich schwächer ausgeprägt und kann trotz steigender Dosierungen nicht erreicht werden. (Toleranzentwicklung).

Die unterschiedlichen Amphetaminderivate haben unterschiedliche Wirkspektren:
 
Somatische Wirkung:

Es kommt nach der Einnahme von Amphetaminen physiologischerseits zu Tachycardie, Hyperthermie, Hypertension und zu einer Erhöhung des Grundumsatzes. Die motorische Reagibilität des Körpers nimmt zu. Als Folge der Hyperthermie kann es zu massiven Kreislaufstörungen kommen, bis zur disseminierten intravasalen Koagulation und Rhabdomyolyse. In einer 1993 von Hando u. Hall durchgeführten Untersuchung (1997) waren von den Amphetaminkonsumenten selbst am häufigsten genannten physiologischen Effekte: Appetitverlust, Dehydration, Zähneknirschen, Kopfschmerz, Muskelschmerz, Kurzatmigkeit, Zittern..
 
Psychische Wirkung:

Die Stimulation aminerger Übertragungsmechanismen im ZNS beeinflusst neben Antrieb und Stimmung stark die Informationsverarbeitung. Methamphetamin ist vor allem antriebssteigernd, appetitzügelnd und müdigkeitsunterdrückend. Das Selbstwertgefühl wird erhöht, ebenso wie der Rededrang und die Spontanität. Es entsteht mit dem Hochgefühl eine mangelnde Kritikfähigkeit und höhere Risikobereitschaft. Erwünschte Effekte des Konsumenten sind auch gesteigertes Erleben verschiedener Sinneseindrücke wie Farbe und Musik. Es kommt insgesamt zu größerer Offenheit, reduzierten Ängsten, gesteigertem Selbstvertrauen. Stereotype Tätigkeiten (Putzen, Malern etc) macht Spaß, der Sex wird als aufregend beschrieben. Daneben werden aber auch andere Informationsabläufe akut und durch die Neurotoxizität längerfristig beeinflusst, es kommt u. a. zu Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen. Die Wiederholung einfacher motorischer Tätigkeiten (Stereotypien) kann als belastend (zwanghaftes Ausdrücken von Akne, nächtelanges Automatenspielen) oder anfangs genussvoll/hilfreich erlebt werden (Putzen/Malern). Weitere im Verlauf des Konsums sich einstellende ungünstigen Effekte sind: Ängste, Depressionen mit Selbsttötungsimpulsen, Stimmungsschwankungen, Paranoia und Panikattacken. Von fast der Hälfte der Untersuchungsteilnehmer wird unter der Einnahme von Amphetaminen zusätzlich von Episoden der Aggression und Gewalttätigkeit berichtet. Symptome die eher von Angehörigen beklagt werden, sind die fehlende authentische Kontaktaufnahme in Beziehungen wie sie auch von anderen Suchtmitteln bekannt sind. Die Gedächtnisstörungen (besonders Zahlengedächtnis), Aufmerksamkeitsstörungen (erhöhte Ablenkbarkeit) und die erhöhte Reizbarkeit sind Themen des stationären Therapieangebotes am Therapiezentrum Hochstadt.
 
Amphetamine und Psychose:

Hochdosiert und nach längeren Wachphasen kommt es zu anfangs selbstständig zurückgehenden psychotischem Erleben mit Verfolgungswahn und Halluzinationen. Die Grenze zur dauerhaften psychotischen Dekompensation durch die nervenschädigende Wirkung (Neurotoxizität) ist fließend. Im Rahmen eines Amphetaminkonsums tritt dies mit einer relativ hohen Frequenz auf. Nach Klee (1997) kommt es bei zwei Drittel innerhalb drei Jahren mit regelmäßigem Konsum zu einer sogenannten Amphetaminpsychose. Wegen ihrer Bizarrigkeit, ihrer parallelen hohen motorischen Unruhe und massiver Denkstörungen sind sie oft Anlaß akutpsychiatrischer Interventionen. Hierbei zeigt die Erfahrung, dass es bei fehlender Abstinenz es nicht bei einer zeitlich begrenzten Episode bleibt, sondern es bei fehlender Abstinenz zum Auftreten psychotischer Dauer- oder Residualzuständen kommt.
 
 

Entzug


Insgesamt wird der Entzug von Amphetaminen im Vergleich zur Opiatgruppe als weniger schwerwiegend angesehen. An Symptomen stehen zunächst „beim Runterkommen“ Hypersomnie (vermehrtes Einschlafen) mit folgenden schweren Störungen des Schlaf-/Wachrhythmus, Antriebsstörungen (Zappeligkeit/Lethargie), Depressionen mit Suizidalität, emotionale Instabilität (Gereiztheit bzw. Wechsel der Stimmung), und Essstörungen (rasche Gewichtszunahme nach Ende des Entzuges besonders für Frauen problematisch) im Vordergrund. Muskel- und Gelenkschmerzen sind geringer als bei Opiatentzügen. Besonders das Craving, (die Gier bzw. die Lust wieder was zu nehmen gegen die unangenehmen Befindlichkeiten) wird als Hauptursache für einen Suchtrückfall gesehen. Hier ist die abstinenzorientierte „cleane“ Athmosphäre einer Entzugsstation hilfreich.

Es liegen bisher keine guten Studien zur Differenzierung akutes / chronisches Entzugssyndrom vor. Aus neurobiologisch nachvollziehbarer klinischer Erfahrung erfolgt die an den Symptomen beobachtbaren Erholung des Transmittersystems in mehreren Phasen 1. Wiederherstellung der körpereigenen Transmitter, 2. Erneuerung der Rezeptoren, 3. Erholung der Axone/Dendriten) und dauert nach anfänglicher schneller Phase (Wochen) bis zu 18 Monaten.
 
Informationen zur Entzugsbehandlung in der Bezirksklinik Hochstadt
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Konsummuster und Beigebrauch anderer Substanzen in der Beratungspraxis

 
Im Rahmen des steigenden Amphetaminkonsums in der Bundesrepublik stellt sich für den individuell betreuten Patienten die Frage, ob es sich:
 
  • um ein Ausweichverhalten bei Opiatabhängigkeit zur Linderung der Entzugssymptomatik
  • um polytoxikomanen Konsum, also ein wahlloses Suchen nach dem „Kick“
  • oder gar eine neue Opiatabhängigkeit als ein Selbstbehandlungsversuch bei psychotischem Erleben einer Amphetaminpsychose handelt
 
Ein Beikonsumverhalten ist typisch. Entscheidend ist, welche Droge im Vordergrund steht und von welcher in erster Linie die Abhängigkeit erlebt wird. Der sich im Verlauf entwickelnde Beigebrauch anderer Substanzen scheint nicht selten zur Eigentherapie der Nebenwirkungen und Entzugssymptome der Amphetamine zu dienen oder wird zur Therapie der paranoiden Psychosen eingesetzt. Von diesen Substanzen kann sich ebenfalls eine Abhängigkeit entwickeln.
 
 

Begleiterkrankungen

 
Insgesamt liegt bei Drogenkonsumenten ein erhöhtes Gesundheitsrisiko vor. Besonders die Gruppe der injizierenden Konsumenten hat ein vielfach erhöhtes Risiko für HIV und Hepatitiden. Dies betrifft auch die Amphetaminkonsumenten. Hier liegt ein erhöhtes Risikoverhalten zugrunde durch needle-sharing oder risikoreicheres Sexualverhalten. In einer unselektierten Gruppe von intravenösen Konsumenten zeigte sich, dass Frauen unter Stimulantien ein besonders hohes Risikoverhalten zeigten. Genaue Zahlen für die Auftretenshäufigkeit verschiedener Erkrankungen im Rahmen einer Amphetaminabhängigkeit liegen für Deutschland bisher nicht vor.
 


Versuch einer Typologie der Amphetaminkonsumenten

 
T. Klee hat 1997 versucht aufgrund von Faktoren- und Clusteranalysen in Großbritannien über mehrere Studien eine „Typologie“ von Amphetaminkonsumenten zu erstellen. Hierbei weist sie ausdrücklich darauf hin, dass man sich vor einer Stigmatisierung in acht nehmen sollte. Ihr Ziel war eine erweiterte Differenzierung des Klientels der Amphetaminabhängigen um die Therapie den spezifischen Bedürfnisse und Konsumgründen gemäß anzupassen. Folgende Typen ließen sich grob beschreiben:
 
  • Recreational user: Personen, die während ihrer Freizeitaktivitäten ihre Energiereserven durch Entspannung und Genuss eigentlich wieder auffüllen wollen. Durch Amphetamingebrauch kann die Freizeit „intensiver“ genutzt werden. Hierzu gehören Clubdrug- user und Ravers sowie Older Hippie Ravers
  • Speeding Drinkers: Personen, die durch kombinierten Alkohol- und  Amphetminkonsum längere Kneipentouren und mit dem Gefühl viele Freunde zu haben, besser durchhalten, wie jugendliche Bingetrinker („Komasäufer“) und Fußballfans
  • Young Mums: Amphetaminkonsum um trotz der Belastung als Mutter das Leben durch Spaß und Ausgelassensein zu genießen und anstrengende monotone Hausarbeiten besser zu bewältigen „Nie war meine Wohnung sauberer als unter Speed“
  • The Experimenters: V.a. männliche Adoleszente, die aus Neugier, Spieltrieb oder im Freundeskreis Drogen und ihre Effekte ausprobieren wollen - bei einigen bleibt es nach negativen Erlebnissen bei diesem Konsum
  • The Prudent User: Versucht stets die Kontrolle zu behalten, Konsum meistens nur in vereinzelten spezifischen Situationen (z.B. vor Prüfungen, vor langen Autofahrten (Braindoping), für WE-Durcharbeiten als Maler um Terminvorgabe einzuhalten etc.)
  • The Isolate: Personen mit geringem Selbstwertgefühl, kaum Freunde, konsumieren den Stoff allein um den Einsamkeitsgefühlen zu entkommen. Häufig Patienten mit comorbiden psychiatrischen Störungen (paranoia) die zuvor in sozialen Zusammenhängen gut integrierte „User“ waren. Häufig schwere Abhängigkeit.
  • Polydrug / Phasic Users: Verschiedene wechselnde Phasen des Missbrauchs einer Substanz, keine Entwicklung von Präferenzen
  • Modified User: Personen mit längerer Drogenkarriere, die aufgrund verschiedener Umstände zu Amphetaminen wechseln (Haft, Stabilisierung der Beziehung, Erhaltung der Beziehung zu Kindern)
  • Criminal Users: Hier geht es um eine Gruppe Krimineller, die zusätzlich Amphetamine konsumieren um nachts „wirkungsvoller“ zu sein
  • Grafters: Jugendliche, die Spaß an kleinkriminellen Delikten haben, die Amphetamine zur Vigilanz- und Mutsteigerung nehmen und um gegebenenfalls schneller fliehen zu können
  • Self-Medications: Im Rahmen von Essstörungen, Depressionen, zur Unterstützung von Diäten etc.
 
Nicht alle dieser diesen Gruppen zuordenbaren Konsumenten sind „abhängige“ Konsumenten. Die Gruppenzugehörigkeiten können sich im Verlauf des Lebens ändern. Derartige Klassifikationen sind nur als Hinweis zu verwenden. Nützlich sind sie aber für Konsumenten/Klienten/Patienten zur Selbsteinschätzung und als Selbstrefelektion für den Suchtlebenslauf.
 
 

Behandlung


Suchtberatungsstellen, qualifizierte (niedrigschwellige) Entgiftungsstationen und niedergelassene Psychiater sind erste Anlaufstationen. Rehakliniken sollten ein ausgewiesenes spezifisches Therapiekonzept vorhalten um den zu opiatabhängigen unterschiedlichen Bedürfnissen und Konsumgründen gerecht zu werden.
 
Informationen zur Entwöhnungstherapie in der Bezirksklinik Hochstadt
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