Aufnahme zur Rehabilitation
Zur Langzeitentwöhnungsbehandlung von Stimulantien nehmen wir Frauen und Männer auf, die eine Therapie aus eigenem Antrieb wünschen und bereit sind, während der Behandlung von allen Suchtmitteln zu lassen. Zudem ist die Zusage der Kostenübernahme durch Rentenversicherungsträger oder Krankenkasse erforderlich.
Wie bei den opiatabhängigen oder polytoxikomanen Patienten beginnt bei den Stimulantienabhängigen die spezifische Rehabehandlung nach der Diagnostikphase (sog. O-Phase) parallel zur Psychotherapie mit Rückfallprophylaxe, Arbeitstherapie etc. nach MELBA-Diagnostik etc.. Durch die hohe Comorbidität, die durch die Neurotoxizität der ATS (Amphetamin-Type-Stimulants) verursacht ist, ist im Team besondere psychiatrisch-fachärztliche Kompetenz nötig und in Hochstadt vorhanden (Zwei Fachärzte für Psychiatrie). Für die kognitiven Störungen stehen verschiedene, auch in der Freizeit nutzbare PC-gestützte Trainingsprogramme zur Verfügung (X-cog, Cogpac).
Spezielles Rehabilitationsprogramm
Die Rehabilitation wird in stoffspezifischen Therapiegruppen durchgeführt. Es ist mit einer Dauer von 24 Wochen zu rechnen. Unser Therapiekonzept für Stimulantienabhängige orientiert sich in wesentlichen Zügen an neurobiologisch-verhaltenstherapeutischen Modellen, wie sie seit den 80-er Jahren für Kokainabhängige in Kalifornien genutzt und in den 90-er Jahren auf Methamphetaminabhängige angepasst wurden. Verschiedenste Untersuchungen haben die Wirksamkeit nachgewiesen.
Gezielte Inhalte und Themen
Zusätzlich zum sonstigen Therapieprogramm ist die Teilnahme an der spezifischen Indikativgruppe für Stimulantienabhängige verpflichtend (zehn Sitzungen mit je 100 Minuten Dauer). Hier werden die den Konsum aufrechterhaltenden Mechanismen besprochen und individuelle Lösungen gesucht. Handouts werden zu jeder Stunde ausgegeben, da bei vielen Patienten besonders anfangs deutliche kognitive Störungen vorliegen.
Überblick über die Themen:
- Besonderheiten der Substanzen (z.B. Neurotoxizität) und deren Konsequenzen für den Rehabilitationsprozess
- Emotionale und kognitive Störungen sowie Antriebsstörungen
- Spezifische Rückfallgefahren und Auslöser für Suchtdruck bei unterschiedlichen Konsumsituationen (wie Discothekenbesuche, Automatenspiele, Sexualität)
- Auftreten psychotischer Störungen und die Gefahr von “Flashbacks”
- Depressive Störung als Ursache für den Stimulantienkonsum
- Vermindertes Selbstwertgefühl durch reduzierte berufliche Leistungsfähigkeit
- Gewichtszunahme
- Partnerschaft und Sexualität
- Suchtverlagerung auf anderes „gieriges“ Verhalten (Automatenspiel, Alkohol etc.)
- Genderspezifische Themen werden getrenntgeschlechtlich besprochen.
Indikation
An psychischen Grundstörungen sehen wir bei Drogenrehabilitanden grundsätzlich Patienten mit neurotischen Entwicklungen, aber vor allem auch Patienten mit Persönlichkeitsstörungen (dissozialen und Borderline-Persönlichkeitsstörungen) mit erheblich eingeschränkter Kritikfähigkeit bezüglich ihres eigenen körperlichen, psychischen und sozialen Zustandes. Bei ATS-Abhängigen finden sich zusätzlich in der Anamnese vermehrt auch drogeninduzierte Psychosen, induzierte Angststörungen, primäre oder sekundäre depressive Störungen sowie Suizidversuche im Rahmen der Entzüge. Die Kognitiven Störungen (Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit) sind therapierbar.
Psychosen durch Stimulantien sind kein Ausschlusskriterium. Das Erleben einer Psychose führt zwar einerseits zu einer zeitweise reduzierten Belastbarkeit in der Therapie (stressinduzierte Flashbacks der Amphetaminpsychosen mit paranoider Verarbeitung), andererseits aber auch zu einem erhöhten Problembewusstsein und einem echten Ausstiegswunsch aus der Drogenszene. Die psychotischen Erfahrungen und die Angst vor Wiederholung sind sowohl in der Einzel- als auch in der Gruppentherapie gut zu bearbeiten. Einige Patienten weisen zwar für Monate Residualsymptome (ähnlich wie bei Schizophrenie) auf, dies kann bei unzureichender Rückbildung eine Therapieverlängerung oder den Wechsel in eine andere Therapieform (Soziotherapie) notwendig machen.
Patienten, bei denen sich im Verlauf zeigt, dass sie wegen der Psychose gegenwärtig nicht erfolgreich behandelt werden können, können in den psychiatrischen Akutabteilungen des Kommunalunternehmens "Kliniken und Heime des Bezirks Oberfranken" (Bezirksklinik Hochstadt, Bezirkskrankenhaus Bayreuth, Bezirksklinikum Obermain) stabilisiert werden und ihnen gegebenenfalls die Wiederaufnahme der Reha am Therapiezentrum ermöglicht werden.
Genderspezifität/ Geschlechtsspezifität
Da Methamphetamin eine ausgesprochene „Sexdroge“ ist, ist dieser Rückfallfaktor in der Therapie bei beiden Geschlechtern mit einzuplanen. Bei Themen, die Selbstbild und Sexualität berühren wird die Stimulantiengruppe geschlechtsspezifisch geteilt.
Bei Frauen sind besonders folgende Aspekte zu berücksichtigen: Gewichtszunahme, depressive Antriebsstörung, Frauen als Gewaltopfer. Durch die von Patienten berichtete anti-intrusive Wirkung bei posttraumatischer Belastungsstörung ist Sexualität nach sexuellem Trauma unter Methamphetamin manchmal überhaupt erst wieder möglich gewesen. Daher gibt es eine spezifische Frauengruppe und Frauenzeiten im Fitnessraum, in der Sauna etc.
Bei Männern sind besonders folgende Aspekte zu berücksichtigen: Berufliche Leistungsfähigkeit mit entsprechendem Männerbild durch ATS tatsächlich erhöht. (Angst vor finanziellem Abstieg bei Abstinenz); gierige, beziehungslose Sexualität; erhöhtes Gewaltpotential und erhöhte Rückfallgefahr für Delinquenz.
Nachsorge
Frühzeitig wird der weitere Berufsweg thematisiert und auch die nötigen berufsfördernden Maßnahmen werden nach eingehender Diagnostik mit
Sozialpädadogischem Dienst und
Arbeitstherapie besprochen. Vertiefende Informationen zur beruflichen und gesellschaftlichen Wiedereingliederung erhalten Sie unter
Adaption.