Entzugsbehandlung

bei Stimulantienabhängigkeit

 

Zielsymptome ATS-Entzug

 
Innerhalb dieser ersten 2-3 Wochen der Abstinenz im drogenfreien stationären Rahmen stehen interindividuell und intraindividuelle wechselnde typische Entzugssymptome, wie Gereiztheit, vermehrtes Schlafbedürfnis, sowie Störungen des Schlaf-/Wachrhythmus, die zu einem unerholsamen Schlaf (Drogenträume) führen, im Vordergrund. Des Weiteren treten Depressionen mit Suizidalität, Antriebsverminderungen, aber auch ein hyperkinetisches Syndrom, sowie Heißhungerattacken mit Gewichtszunahme auf (DSM– IV, ICD–10). Als besonders schwerwiegendes Symptom gilt das „Craving“, auch „Suchtdruck“ bzw. „Drogenhunger“ genannt, dar. Dieses Craving,  das von Patienten häufig nicht verbalisiert werden kann, stellt die Hauptursache für einen Suchtmittelrückfall dar.
 
 

Medikamentöse Hilfe

 
Ein homologer fraktionierter Entzug (pharmakologisch gestützt durch Suchtstoffersatzmittel), wie er bei Opiatabhängigkeit üblich ist, ist bei Amphetaminabhängigkeit in Deutschland wegen der Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzts nicht möglich. Pharmakologisch kann nur symptomatisch eingegriffen werden. Das aus Lianen gewonnene Guarana (Paullinia cupana) ist koffeinhaltig und wird hochdosiert (bis 4g/die) im Entzug als Bedarfsmedikation verabreicht.

Um das „Runterkommen“ und damit nach dem Erstschlaf eine stabilere Emotionalität zu erreichen, werden niederpotente Neuroleptika (wie Zotepin, Melperon u.a.) verabreicht. Diese sind besonders bei anfangs intoxikiert agitierten Patienten stark schlafanstoßend. Auch zur Behandlung akuter Psychosen werden nur atypische Neuroleptika eingesetzt. Auf das Auftreten von Neben- und Wechselwirkungen wird ständig geachtet und gegebenenfalls auch sofort entsprechend reagiert. Bei länger andauernden depressiven Verstimmungen kommen selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer mit geringem Wechselwirkungsspektrum (wie z.B. Citalopram) zum Einsatz.

Die Anwendung von Benzodiazepinen wird aufgrund des hohen Suchtpotenzials weitestgehend vermieden. In Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei akuter Suizidalität oder psychotischen Dekompensationen, werden diese dennoch (in Kombination mit einem Neuroleptikum) verabreicht.
 
 

Weitere Informationen

 
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