Aktuelles aus der Bezirksklinik Rehau

 

ASU WERD DES NIX - WENN DER JOB DIE SEELE FRISST

Die „1. Hofer Wochen der seelischen Gesundheit“ begannen am 09. Oktober auch im Festsaal des Rehauer Museums am Maxplatz. Tage oder Wochen der seelischen Gesundheit gibt es bereits in vielen Großstädten wie Berlin oder München. Dr. Lothar Franz als Chefarzt der Bezirksklinik war ebenso wie Siegfried Stengel als begrüßender Bezirksrat darüber erfreut, dass der Saal mit mehr als 80 Zuhörern für seine „Gedankensplitter“ und das Konzert von Wolfgang Buck proppenvoll war.
 
Das Thema psychische Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz sei auch aktueller denn je. Was macht Menschen in der Arbeit krank? Soziale Stressoren, wie gestörte Kommunikation in der Arbeit, träfen auf individuelle Faktoren. Dies führe zu Fehlzeiten, psychosomatischen Beschwerden, Verschleißerscheinungen, Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung. Eine „gespenstisch“ hohe Zahl der Versicherten leide heute schon an Depressionen. Studien zufolge fast 10 % der Frauen und 5 % der Männer. Der Vergleichswert bei der Volkskrankheit Diabetes liege bei 5 % für beide Geschlechter.
 
Während in den letzten 10 Jahren der Krankenstand in den deutschen Unternehmen für alle Diagnosegruppen rückläufig gewesen sei, nahm die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage infolge psychischer Störungen um 80 % zu.
 
Die wichtigsten Fragen hierbei seien laut Dr. Lothar Franz: Wie kann psychischen Erkrankungen im Betrieb vorgebeugt werden? Wie lässt sich die Diskriminierung von einmal Erkrankten abbauen? Wie können Betroffene wieder in das Berufsleben eingegliedert werden?
 
Wie kann eine hieraus resultierende Selbstaufgabe therapiert werden? Die Leitlinien der Therapie betonen das Wort „Selbst“, nämlich: „Selbstwahrnehmung muss über Selbstmanagement schließlich zur Selbstmotivation führen“.
 
Zentrale Begriffe hierzu seien: Burn-out und Mobbing. Beide Begriffe und die Vorstellungen zu ihrer Krankheitswertigkeit seien eng miteinander verknüpft und überschneiden sich in vielfältiger Weise.
 
Burn-out sei ein Syndrom aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierter Leistungsfähigkeit, ausgelöst durch ein Missverhältnis von hohen Erwartungen an den Beruf und die Realität des beruflichen Alltags.
 
Dr. Franz definierte Mobbing als „Intrige bis hinein in die kleinsten Keimzellen unseres Miteinanders“. Die im letzen Jahrzehnt gestiegene psychische Kontrolle am Arbeitsplatz habe zu einer besonderen Funktionalität des Individuums geführt. Die Institution bestimme die Rolle, die der Einzelne möglichst gut spielen solle.
 
Persönliche Gefühle und Meinungen seien dabei oft sekundär. Es beginne bei ersten Stresssymptomen über die Phase der Selbstzweifel und Isolierung bis zur Auflehnung und schließlich über die Verunsicherung zur Verzweiflung und zu schwersten Depressionen und Persönlichkeitsstörungen. Kollegen oder Vorgesetzte würden mit kränkenden Maßnahmen versuchen, einzelnen Arbeitnehmern die Freude an der Arbeit zu rauben, oder unter Umständen zur Aufgabe eines Arbeitsplatzes oder zur Annahme von niedrigen Arbeiten zu bewegen.
 
Es werde aus „quasi sozialpsychologischer Funktion“ ein „Prügelknabe „installiert und damit an der Sicherung von Machtstrukturen gearbeitet.“ Das Mobben sei „Werterhöhung der eigenen Person“ und ein „grausames Gesellschaftsspiel mit Unterhaltungswert.“
 
Der Liedermacher, Kabarettist und Pfarrer Wolfgang Buck stellte im zweiten Teil des Abends den Bezug zum Mobbing mit „Das Leben ist wie ein Schafkopf“ dar. Beim Kartenspielen kämen nämlich die wichtigen Dinge des Lebens heraus.
 
„Der Ober sticht den Unter“ kann als Mobbing und Gemobbtwerden definiert werden. Der Verlierer zahle und sein Gegner halte die Trümpfe in der Hand.
 
Zwei weitere wichtige Sätze seien: „Halte dich immer schön bedeckt“ und „Zeige nie zu früh, was du hast“. Dies habe er bereits als Schüler beim Schafkopfen erfahren.
 
Nach gut drei Stunden Musik und reichlich Zugabe schloss der singende Pfarrer dann die „Seelenklempnerei“.
 

 

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