Aktuelles aus der Bezirksklinik Rehau
LEBEN IM ZWEIECK
Leben im Zweieck ist der Name und das Konzept einer Skulptur, die in den Gartenanlagen der Klinik öffentlich eingeweiht wurde.
Das Kunstwerk, welches von Patienten des Hauses im Rahmen ihres Aufenthalts in der Ergotherapie unter Leitung der Künstlerin Katja Schafarik angefertigt wurde, besteht aus 34 unterschiedlich hohen Stelen, auf die etwa 250 modellierte, gebrannte und verschieden bemalte Tonhülsen aufgesetzt sind. Das Objekt hat eine Länge von rund 10 Metern und eine Breite von ca. 4 Metern. Würde man die Skulptur aus der Vogelperspektive betrachten, dann würde man über zwei gedachten Achsen ein doppeltes Zwei-Eck erkennen.
Dieses „Zweieck“ besteht aus einer manischen und einer depressiven Ecke, innerhalb derer sich ein bipolar erkrankter Mensch bewegen und zurechtfinden muss. Eine bipolare Erkrankung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Wechsel zwischen „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ weit außerhalb des Normalniveaus liegen. Dr. med. Lothar Franz als ärztlicher Leiter der Klinik bezeichnete die Bipolarität in seinen Begrüßungs- und Einleitungsworten als „Disharmonie der Gefühle und Regungen im weiten Feld zwischen Manie und Depression“, wobei dieser Begriff bereits in der Medizin der alten Griechen Verwendung gefunden habe. Damals ging es um die Dysbalance der Körpersäfte, nämlich des Blutes, des Schleims, der sogenannten gelben und der schwarzen Galle, der Melancholie. Heute finden sich diese Thesen wieder in der Annahme, dass sich bei bipolaren Erkrankungen die Neurotransmitter, also die Botenstoffe des Gehirns, im Ungleichgewicht befinden.
August Zeitler als Leiter der Ergotherapie, erinnerte an die in der Vergangenheit entwickelten Objekte aus Holz und Schiefer, die unter der Anleitung der Künstler Edina Thern und Sebastian Waßmann im Jahre 2009 entstanden. Diese Objekte und Skulpturen bilden den Grundstock des „Skulpturenparks“ in den weitläufigen, parkähnlichen Gartenanlagen der Bezirksklinik. Die verschiedenen Exponate wurden von Patienten des Hauses angefertigt. Jedes Werkstück verfügt über eine eigene Geschichte.
Zeitler dankte Katja Schafarik für ihre Begleitung und ihre Anregungen während des Workshops „Töpfern“. Sein Dank galt auch der Mitarbeiterin der Ergotherapie Ingrid Ritter, die für die Patienten vom Haus her erste Ansprechpartnerin war. Alle am Workshop beteiligten Patienten stellten ihre Werke der Klinik zur Verfügung. Dies wurde von Zeitler in seiner Ansprache mit einer besonderen Anerkennung bedacht.
Nach all den theoretischen Erklärungen in der Halle drängte es die Anwesenden dann in den Garten, um sich die Skulptur anzusehen und sie zu „begehen“. Besondere Aufmerksamkeit fand die Verschiedenartigkeit der einzelnen Tonelemente. Die Stelenreihen treffen sich an zwei Polen, denen jeweils zwei „Wächterstelen“ voran stehen.
Auf der Grünfläche davor fand dann eine Aufführung der „firefairies“ statt. Zwei Feuertänzerinnen aus Hof und Marktredwitz boten den Gästen ein „Feuer der Leidenschaft“. Klassische Klänge und mitreißende Gitarrenmusik vereinigten sich in der Darbietung aus Feuerstäben, flammenden Fächern und schwebenden Flammen. Sie zogen nicht nur die Gäste, sondern auch die anwesenden Patienten des Hauses in ihren Bann.
Der Skulpturenpark und das neue Objekt „Leben im Zweieck“ sind täglich von 9:00 – 18:00 Uhr in den Gartenanlagen der Klinik zu besichtigen bzw. zu begehen.