Aktuelles aus der Bezirksklinik Rehau

 

EXPERTEN INFORMIEREN ÜBER 

DEPRESSIONEN

Im Rahmen der „7. Hochfränkischen Wochen der seelischen Gesundheit“, die vom „Aktionsbündnis Seelische Gesundheit Hochfranken“ initiiert wurden, lud die Bezirksklinik Rehau die interessierte Öffentlichkeit zu zwei Fachvorträgen über depressive Entwicklungen im Laufe des Lebens und musiktherapeutischen Vorstellungen ins Rehauer Alte Rathaus am Maxplatz ein.
 
Einer der Vorträge wurde vom Chefarzt der Bezirksklinik Dr. med. Lothar Franz gehalten. Thema seiner Ausführungen war „Psychische Fallstricke am Arbeitsplatz/Mobbing und Burnout“, bei dem sich die Depression im Erwerbsleben entwickelt. Neu hinzugekommen die Präsentation von der Oberärztin Daniela Schneidenbach zum Thema „Depressionen im späteren Lebensalter“. Den musiktherapeutischen Part übernahm Gerhard Bauer, der wöchentlich am Dienstag die Bezirksklinik besucht und den Patienten in halboffenen Gruppen Musiktherapien anbietet. Wie das im stationären Bereich konkret abläuft, hat er im Laufe des Abends dann erklärt. Die Veranstalter haben bei diesen viele Menschen betreffenden Themen bereits im Vorfeld ein hohes Interesse erwartet, die Erwartungen wurden dann aber dahingehend übertroffen, dass am Schluss Besucher aus Kapazitätsgründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, weil der Saal voll und keine Stühle mehr verfügbar waren.

Letzteres konnte dann während der Begrüßung durch Dr. Lothar Franz noch verbessert werden, weil aus den angrenzenden Museen Stühle herbeigeschafft wurden. Dr. Franz konnte neben dem Vorstand der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken Katja Bittner, den für Rehau zuständigen Standortleiter Torsten Keller und den Chefarzt der Psychiatrie im Bezirkskrankenhaus Bayreuth Dr. Michael Schüler begrüßen. Neben den Anwesenden Teilnehmern von Diakonie, unterstützenden Vereinen wie dem Blauen Kreuz und Politik begrüßte er besonders mit Karin Wolowiec die amtierende Patientenfürsprecherin, die immer in engem Dialog mit der Klinikleitung im Interesse der Patienten steht. Um einen unterhaltsamen Wechsel zwischen Vorträgen und therapeutischen Teilen zu gewährleiten, kam Gerhard Bauer als Musiktherapeut an die Reihe.
 
Dieser hatte im Vorfeld eine ganze Anzahl an Instrumenten aus dem Raum der Musiktherapie  mitgebracht und diese den anwesenden Gästen vorgestellt. Manche waren vom Klang sehr leise, manche auch sehr laut, wobei sich besonders beim großen Gong die Zuhörer der ersten Reihe im Vorfeld bereits die Ohren zuhielten. Dieser Ton war dann auch im Saal ganz hinten von der Akustik her leicht zu hören. Gerhard Bauer erläuterte anhand von Beispielen, natürlich ohne eine konkrete Namensnennung, den therapeutischen Nutzen der Musiktherapie im Rahmen psychotherapeutischer Anwendungen bei – wie erwähnt – halboffenen Gruppenstrukturen. Viele der Patienten kämen mit den Worten: „Herr Bauer, ich kann aber überhaupt nicht singen und habe noch nie ein Instrument gespielt“ in seine Gruppen herein. Aber durch das Kommen und Gehen von Patienten sind die einen bereits weiter und könnten den „Anfängern“ dann wertvolle Tipps geben, wie sie damit umgehen können.

Anhand des Gongs führte er dann vor, wie ein Patient damit latent vorhandene Aggressions- und Konfliktpotentiale verarbeiten kann („habe beim Schlag an meine Schwiegermutter gedacht oder an meinen Mann“). Der Musiktherapeut hat betont, im Vorfeld und im Nachhinein immer mit dem Stationsteam in Verbindung zu stehen, von dem er entsprechend Infos bekäme bzw. Infos über die Behandlung weitergäbe.

Dr. Lothar Franz stellte zu Beginn seine Beitrags drei Fragen in den Raum, nämlich wie kann psychischen Erkrankungen im Betrieb vorgebeugt werden, wie lässt sich die Diskriminierung von Erkrankten abbauen und wie können die Betroffenen in das Berufsleben (wieder)eingegliedert werden. Die zunehmende Relevanz dieses Themas sehe er darin, dass jeder Dritte in seinem Leben einmal an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung leiden würde und verwies auf die von den Krankenkassen regelmäßig veröffentlichten steigenden Zahlen der Krankentage durch psychische Störungen wie Stress. Ursachen sieht er vor allem in der Arbeitsverdichtung, eigeschränkten Entscheidungskompetenzen, mangelnden sozialen Kontakten, negativem Stress, Zeit- und Veränderungsdruck sowie einer steigenden Monotonie. Arbeitsbedingungen und individuelle Faktoren, die in negativem Stress enden, führten dann zu Fehlzeiten, psychosomatischen Erkrankungen, Verschleißerscheinungen, Erwerbsunfähigkeiten und Frühverrentungen. Eine subjektive Überforderung wird durch zwischenmenschliche Konflikte (Mobbing), hohem Engagement, großem Ehrgeiz und Burn-out-Faktoren wie Zeitdruck, hoher Verantwortung und schlechter Kommunikation hervorgerufen. Die Betroffenen fühlten sich in der Folge ausgenutzt und ausgebrannt. Vom Begriff her sei ein „Burn-out“ ein Syndrom aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierter Leistungsfähigkeit. Die Folgen hiervon seien weitreichend und führten von Sinnentleerung, dem Verlust von Lebensfreude, gesellschaftlichem Rückzugsverhalten und Schlafstörungen bis zum Nachlassen der Libido. Nach Dr. Herbert Freudenberger verlaufe ein Burn-out in zwölf Stufen, wobei die erste vom Zwang, sich zu beweisen und die letzten Stufen Leere, Depression und Erschöpfung darstellten. Als Hauptsymptome gelten hierbei gedrückte Stimmungen, Freud-, Interesselosigkeit und Antriebsstörungen. Zusatzsymptome und verschiedene Schweregrade runden die medizinische Einstufung nach der ICD-10 ab.
 
Bei Lebensereignissen, die uns unter Stress setzen können, ist der Tod des Lebenspartners ganz oben angesiedelt. Daneben aber auch Faktoren wie Entlassung, Änderung der beruflichen Stellung, Ärger mit dem Chef und eine Änderung der Arbeitsbedingungen. Um aus dieser Spirale herauszukommen sind drei Aspekte wichtig. Der Betroffene muss seine Selbstwahrnehmung ungeschönt reflektieren können (adäquate Selbsteinschätzung), sich Fragen zum individuellen Selbstmanagement stellen und seine Selbstmotivation gegebenenfalls mit externer Hilfe einleiten. Im Rahmen der Prävention muss er ein Mittelmaß zwischen Stress und Entspannung anstreben und für sich selbst Maßnahmen der Stressbewältigung entdecken (Freizeit, Sport und/oder Entspannungstechniken). Das Problem müsse ernstgenommen und frühzeitig zum Thema gemacht werden, Gespräche der Beteiligten geführt und eventuell Grenzen gezogen werden. Angebote hierfür wären Psychotherapie, eine medikamentöse Behandlung, eine stufenweise Wiedereingliederung oder medizinische Rehamaßnahmen. Die Musiktherapie wäre ebenfalls ein Angebot, wobei Dr. Franz elegant zum nächsten Beitrag von Gerhard Bauer übergeleitet hatte. Dieser stellte im zweiten Teil seines Beitrags erst einmal seinen beruflichen Werdegang dar und führte aus, wie er zum Musiktherapeuten wurde und wie er mit der Bezirksklinik Rehau und dem Bezirk Oberfranken insgesamt verbunden sei. Er sei von der Gründung der Klinik 1988 an Therapeut im Haus gewesen und verfüge deshalb natürlich auch über die entsprechend Erfahrung in seinem Bereich, um Patienten angemessen zu behandeln.

Den zweiten Teil der Vorträge übernahm die Oberärztin Daniela Schneidenbach zum Thema „Depressionen im späteren Lebensalter“ mit dem Satz, dass zwar alle Menschen lange leben, aber niemand alt werden wolle. Die kontinuierlich steigende Lebenserwartung führe zu zunehmenden körperlich-internistischen Beeinträchtigungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch zu psychischen Erkrankungen wie Demenzen oder Depressionen. Schätzungsweise leide jeder vierte im Alter unter einer depressiven Erkrankung. Auslösende Faktoren wären dabei die erwähnten körperlich-somatischen Erkrankungen, aber auch Einsamkeit, fehlende Kontakte oder Isolation, die mit einem Rentendasein möglicherweise eintretende Verschlechterung der finanziellen Situation oder auch eine zunehmende Erhöhung der einzunehmenden Medikamente mit ihren gegenseitigen Wechselwirkungen. Bei den älteren Leuten kämen daneben noch Grübelneigungen und Selbstzweifel hinzu, sowie übertriebene Schuldgefühle aus dem Bestreben heraus, niemandem zur Last fallen zu wollen. Deshalb ist das Risiko, an einem Suizid zu versterben, vor allem für alte Menschen extrem erhöht. 30 % aller Suizide werden von Menschen verübt, die älter als 65 Jahre alt sind, wobei Männer  besonders gefährdet sind. Deshalb sollten Hinweise auf eine mögliche Suizidalität im Familien- und Bekanntenkreis immer ernst genommen und direkt angesprochen werden. Bei den alten Menschen gebe es im stationären Setting manchmal diagnostische Schwierigkeiten, eine Depression zu erkennen. Hierbei könnten die körperlichen Erkrankungen die depressiven Symptome überlagern. Viele Betroffene würden ihr Leid nicht zeigen und häufig über Gedächtnisstörungen klagen. Es gebe auch eine schwierige Abgrenzung zum Thema der Demenz. Exemplarisch leiden 30 % der Parkinson-Erkrankten bzw. Schlaganfall-Patienten zusätzlich an einer behandlungsbedürftigen depressiven Symptomatik. Behandlungsoptionen können neben intensiven vertrauensvollen Gesprächen mit Ärzten und Psychologen, Psychotherapie, eine antidepressive medikamentöse Einstellung, eine Änderung der bisherigen Lebensform auch Bewegungs- und Lichttherapie sowie Ergo- und Musiktherapie sein. Möglichkeiten zur Vorbeugung von Depressionen sind Hobbys, Vorbereitungen auf die Rente, Tagesstrukturierungen, stützende und begleitende Hilfsangebote wie Begegnungsstätten, sportliche Betätigungen, die Abwendung sozialer Isolation durch neue Wohnformen und dem Suchen sozialer Kontakte und neuer Herausforderungen.
 
In seinem Abschlussbeispiel spielte Gerhard Bauer den anwesenden Gästen einen zweiminütigen Mitschnitt eines Treffens der Musiktherapie vor, in welchem sich die Teilnehmer im Laufe der Darbietung rhythmisch und musikalisch immer mehr annäherten und am Schluss alle befreiend aufgelacht haben.
 

Bild: Dr. Lothar Franz bei seinem Vortrag über psychische Fallstricke am Arbeitsplatz 



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Letzte Aktualisierung am 17.10.2016




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